27. Februar

Valentin Ritschl: Einblicke in die fehlende Adhärenz von RA Patienten

"I do not want to suppress the natural process of inflammation": new insights on e the factors associated with non-adherence in rheumatoid arthritis....

Schätzungsweise 50-70% der PatientInnen mit rheumatoider Arthritis halten sich nicht an die Behandlungsempfehlungen von ÄrztInnen bzw. anderen GesundheitsdienstleisterInnen. Viele PatientInnen ändern selbstständig die Behandlungsempfehlungen oder brechen diese überhaupt ab. Dadurch erhöht sich das Risiko, kein optimales Behandlungsergebnis zu erreichen. Die behandelnden ÄrztInnen gehen davon aus, dass die Behandlungsempfehlungen eingehalten wurden. Auch an der rheumatologischen Ambulanz des Wiener AKHs und am Landeskrankenhaus-Universitätsklinikum Graz haben wir beobachtet, dass jährlich ca. 100 PatientInnen keine regelmäßigen Arztbesuche wahrnehmen. Bisher war nicht bekannt, ob diese PatientInnen den Behandlungsempfehlungen nicht mehr folgen (also ihre Behandlung abgebrochen haben) oder ob sie an eine andere Institution gewechselt haben (also ihre Behandlung weiterführen wie geplant). Ziel dieses Projektes war es daher, PatientInnen, die ihre Behandlung abgebrochen haben, zu kontaktieren und Gründe für den Abbruch zu erfragen.

Von 459 PatientInnen mit rheumatoider Arthritis, die den Kontakt zu unseren Ambulanzen abgebrochen haben, stimmten insgesamt 131 PatientInnen zu an den Interviews teilzunehmen. 43 dieser PatientInnen brachen die Behandlung ihrer rheumatoiden Arthritis tatsächlich ab.

 

PatientInnen hielten Behandlungsempfehlungen nicht ein,

  • wenn sie den Zweck der Behandlung nicht verstanden, keinen Nutzen durch die Behandlung erlebten und/oder Nebenwirkungen durch die Behandlung hatten.
  • wenn der Aufwand als zu hoch empfunden wurde. Diese wurde vor allem genannt bei langen Wartezeiten und wenn Behandlungsempfehlungen Änderungen des Lebensstils bedeuteten (wie zum Beispiel regelmäßige Übungen durchführen).
  • wenn sie weniger Unterstützung aus dem Umfeld erhalten haben.
  • wenn sie nicht aktiv in den gemeinsamen Entscheidungsprozess für die weitere Behandlung von den ÄrztInnen und/oder GesundheitsdienstleisterInnen miteinbezogen wurden.
  • wenn Meinungen, Werte oder Überzeugungen, wie beispielsweise eine generelle Ablehnung der Schulmedizin, den Empfehlungen der Ärztinnen widersprachen.
  • wenn sie wenig/kein Vertrauen in ihre ÄrztInnen bzw. andere GesundheitsdienstleisterInnen hatten.
  • wenn sie überzeugt waren die Krankheit selbst unter Kontrolle zu haben.  
  • wenn ÄrztInnen nur Medikamente verschrieben, ohne mit den PatientInnen auch andere gesundheitsförderliche Aspekte der Behandlung zu besprechen (körperliche Aktivitäten, Selbstmanagement u.ä.).

Weitere 88 Personen hielten die Behandlungsempfehlungen ein, hatten aber die Ambulanz/Institution gewechselt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erkenntnisse aus dieser Studie dazu beitragen, dass wir das Phänomen der Behandlungsabbrüche besser verstehen. ÄrztInnen, sowie andere GesundheitsdienstleisterInnen können die Probleme, die bei der Einhaltung von Behandlungsempfehlungen entstehen bei der Beratung und Schulung von PatientInnen explizit ansprechen und eventuelle Unterstützungen anbieten.

Ritschl, V., Lackner, A., Boström, C., Mosor, E., Lehner, M., Omara, M., ... & Stamm, T. A. (2018). I do not want to suppress the natural process of inflammation: new insights on factors associated with non-adherence in rheumatoid arthritis. Arthritis research & therapy, 20(1), 234.

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